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Über das Portal
Gelehrte Gesellschaften und wissenschaftliche Vereine rücken in den letzten Jahren stärker in den Fokus der Wissenschafts-, Sozial- und Kulturgeschichte. Als eine eigenständige Organisationsform ermöglichen sie es, das Wirken von Wissenschaft abseits der in staatlichen Institutionen angesiedelten Forschung und Lehre zu verfolgen. Ihre Erscheinungsformen sind dabei sehr vielfältig: Hatten die klassischen Akademien der Frühen Neuzeit oft den Anspruch, umfassend eine Vielzahl von Fächern abzudecken, so bildeten sich im Zuge der Ausdifferenzierung und Professionalisierung der Wissenschaften insbesondere ab dem 19. Jahrhundert auch eine Vielzahl von Gesellschaften für einzelne Fachdisziplinen. Teils waren sie eher auf den gelehrten Austausch und die Forschung ausgerichtet, teils wollten sie wissenschaftliche Kenntnisse in die Öffentlichkeit tragen und durch eigene Initiativen praktisch wirksam werden. Einige hatten nur ein paar Dutzend Mitglieder, andere mehrere Tausend. Manche behielten ihr ursprüngliches Profil konsequent bei, manche wandelten ihren Charakter mit der Zeit, indem sie beispielsweise zu Berufsvereinigungen wurden.
In Sachsen boten nicht nur die Residenzstadt Dresden und die wohlhabende Handels- und Messestadt Leipzig, sondern auch zahlreiche Mittelzentren gute Bedingungen für das Entstehen solcher Gesellschaften und Vereine. Über ihre Geschichte ist bisher jedoch, von einigen Ausnahmen abgesehen, meist wenig bekannt. Insbesondere der Zweite Weltkrieg und die erzwungene Auflösung der meisten Vereine in der sowjetischen Besatzungszone unterbrachen viele Überlieferungslinien. Dabei ist die Erforschung dieses Felds nicht nur für die historischen Disziplinen interessant – auch für die Wissenschafts- und Kultursoziologie oder für spezielle Methoden wie Diskursanalyse, Konstellationsanalyse, Netzwerk- und Diffusionsforschung kann sie wertvolles Material bieten. Bereits jetzt gut belegt ist etwa der bedeutende Anteil wissenschaftlicher Gesellschaften an der Verbreitung der Ideen der Aufklärung in der "gelehrten Welt". Aber auch für spätere Zeiten lässt sich an der Arbeit der Gesellschaften gut untersuchen, wie wissenschaftliche Ideen und Wertvorstellungen zirkulieren, an Einfluss gewinnen oder aufeinanderprallen.
Das Portal "Wissenschaftskultur" soll zu einem umfassenden Ausgangspunkt für die Erforschung dieses Themengebiets werden. Es bietet einerseits Porträts zu den einzelnen Gesellschaften, die einen kurzen Überblick zu deren Tätigkeit und Bedeutung geben. Andererseits stellt es auch das Wirken von Personen in den Mittelpunkt, die für die Entwicklung der Gesellschaften wichtig waren. Personelle Verflechtungen und Netzwerke werden dadurch schneller und einfacher sichtbar. Drittens macht es in wachsendem Ausmaß die oft hochwertigen Publikationen der Gesellschaften in digitalisierter Form zugänglich.
Im März 2009 mit einem Kernbestand an Inhalten zu Gesellschaften und Vereinen in Sachsen gestartet, soll das Portal sukzessive ausgebaut werden.





